[SIE] Oft war es in der Vergangenheit so, dass mir die ersten paar Minuten in einem 3D-Film etwas schlecht wurde. Das Hirn hats quasi erst mal nicht gecheckt. Nach 15-20 Minuten gings dann meistens und ich konnte mich nach und nach in die Film-Welt gleiten lassen. Inmitten der leuchtenden, puscheligen Samen des Baum des Lebens in Avatar zu sitzen oder mutierte Minions bei Despicable Me 2 entgegen geschmissen zu bekommen, empfand ich als ausgesprochen unterhaltsam. Und dann kam Gravity.
Und vielleicht wurde für diesen Film 3D eigentlich erfunden.

Es ist nicht die Story, um die es geht. (Die Zusammenfassung lautet: es geht schief, was schief gehen kann und das ist blöd, denn wir sind im All. Fertig.) Es ist dieses verdammte Gefühl, das mich von der ersten Minute an nicht mehr los lässt. Und durch dieses verdammte 3D bin ich einfach mitten drin. Es beklemmt mich, so verdammt viel Raum ohne Halt und Sauerstoff zu haben.

[ER] Jepp. Für mich wird dieser Grad an Immersion wird nur noch getoppt von einer völlig neuen Ästhetik, die ich so noch nie gesehen habe. Ein Film, der über die komplette Laufzeit in der Schwerelosigkeit spielt, steht gleichzeitig vor der Schwierigkeit und der einmaligen Chance, Fragen zu beantworten, die sich andere Filme noch nie zu stellen brauchten. Das beginnt schon mit der einfachen Frage, wo oben und unten ist. Wie bewegt sich eine (virtuelle) Kamera im offenen Raum mit mehreren möglichen Fixpunkten (Erde, Raumstation, Astronaut)? Was hört der Zuschauer in einer Umgebung, die eigentlich völlig lautlos ist, weil es im Vakuum nichts gibt, das Schall transportieren könnte?

Man sieht, man spürt in jeder Einstellung, dass hier Regisseur Alfonso Cuarón endlich den Film gemacht hat, der schon immer in ihm steckte. Seine Biographie beginnt mit dem Satz “Cuarón wollte schon immer Filmemacher werden, und Astronaut”. Herzlichen Glückwunsch, Alfonso: Du bist jetzt beides.