Lars ist ein seltsamer Mensch: Der junge Mann ist soziophob, eigenartig und eigenbrötlerisch. Freunde hat er keine, von einer Beziehung ganz zu schweigen. Das scheint Lars nicht weiter zu stören, nur seine Schwester, in deren Garage er wohnt, macht sich Sorgen. Denn, so kann man doch nicht leben, und schon gar nicht glücklich sein. Also drängt sie ihn zu sozialen Kontakten. Eines Tages dann ist es soweit: Lars möchte seine neue Freundin Bianca vorstellen, die er im Internet kennengelernt hat. Die Freude der Schwester währt nur so lange, bis die beiden vor der Türe stehen, denn Sophia ist eine Sexpuppe.

Okay, bitte hört jetzt nicht auf zu lesen – ich kann das erklären!

Ja, dieser Plot klingt schrecklich. Nach Klamauk und Klamotte, nach Fremdschämen und wegschalten. Und zugegeben, Lars and the Real Girl zeigt den Frauenhelden Ryan Gosling in seiner unattraktivsten Rolle. Aber entgegen aller Vorzeichen handelt es sich bei dem Film nicht um billigen Slapstick, ganz im Gegenteil. An dieser Stelle entspinnt sich eine gefühlvoll und leise erzählte Geschichte, die wichtige Fragen stellt: Was ist normal? Was bedeutet Glück? Wie kann Gemeinschaft funktionieren?
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Ryan Gosling verdient großen Respekt für seine schauspielerische Leistung als Lars. Verbrecher, Machos und Draufgänger wie in Drive spielt es sich bestimmt leichter als diese Rolle, die bei aller Skurrilität immer glaubwürdig bleibt und nie übertrieben wirkt. Darum gibt es von mir eine ganz große Empfehlung für Lars and the Real Girl.

Wen nach dem Anschauen der psychologische Hintergrund interessiert, dem sei die Lektüre von A psychoanalytical look at “Lars and the Real Girl” von Margaret Jordan empfohlen. Aber Vorsicht: Spoiler!