Dieses ganze Glücks/Selbstverwirklichungs/Do-What-You-Love-Thema verfolgt mich als selbständigen Kreativling schon seit meiner Schulzeit und wird sicherlich noch Anlass für zahlreiche Artikel hier im Salon sein. Ganz umreißen werde ich dieses viel zu komplexe Thema trotz aller Mühe dabei nicht. Da man aber bekanntlich irgendwo anfangen muss, tun wir das doch mal von der anderen Seite aus. Hier also Teil Eins eines Manifests gegen den Kult des Tu-Was-Du-Liebst.

Part I: “If you do what you love, the money will follow”

An sich macht mein Beruf mir Spaß. Noch viel mehr Spaß macht es mir aber, mit der Liebsten im Bett zu liegen, Serien zu schauen oder andere Dinge zu tun. Ich erwarte allerdings nicht, dass mich jemand dafür bezahlt. Die Erwartung, von seiner größten Leidenschaft leben zu können, kann ein gefährlicher Denkfehler sein und ist möglicherweise verantwortlich für viele unglückliche und unbezahlte Maler, Musiker und Blogger. Natürlich ist es gut, für seinen Job zu brennen, aber ich habe das Gefühl, dass gerade die kreative Riege unserer Generation verlernt hat, Hobbies zu haben. Wir verfallen in einen Zwang zur Professionalisierung, einer Mischung aus dem selbstgemachten Druck, alles was man tut in Gold zu verwandeln, und der verklärten Ansicht, dass das auch möglich sein müsse. Dabei könnten wir uns viel Stress sparen, wenn wir wieder lernen würden, Dinge einfach nur zum Spaß zu machen.

“The only way to do great work is to love what you do. If you haven’t found it yet, keep looking. Don’t settle.” –Steve Jobs

Sicher sind diejenigen unter uns, die sich in einem bezahlten Vollbeschäftungsverhältnis befinden, etwas leichter dran, als die Selbständigen, die ohnehin nie genau wissen, ob sie gerade arbeiten oder nicht, und wenn ja, ob sie jemand dafür bezahlen wird. Doch auch mit einem klassischen Job in der Tasche wird der Freizeitstress zur Übung in Selbstverwirklichung: Statt vor dem Fernseher Weihnachtsgeschenke zu stricken, werden die eigenen Handarbeitsprodukte in der heimischen Werkstatt manufaktiert um anschließend auf DaWanda möglichst hohe Preise zu erzielen. Auf dem eigenen Blog wird dann dafür geworben, aber bloß nicht zu viel, sonst drohen Rufe nach Kommerzialisierung!

Nicht einmal vor dem Sport, wo es für eigenbluttherapiefreie Normalsterbliche nun wirklich nichts zu holen gibt, macht die Professionalisierungsbewegung halt. Statt nach Feierabend eine unbeobachtete Runde durch den Wald zu drehen, ist das Smartphone mit GPS-Tracker mit dabei, protokolliert jeden Höhenmeter und jede Verschnaufpause um diese anschließend über soziale Netzwerke in die Welt zu posaunen. Dort warten bereits die Internetfreunde, um die neuen Werte mit früheren, eigenen und erfundenen Referenzen zu vergleichen.

Und mir geht es in dieser Geschichte doch kein bisschen anders. Gegen Sport bin ich – Gott sei Dank – immun, aber alle anderen Lebensbereiche weigern sich, im ausgeschilderten Hobby-Bereich Platz zu nehmen und die Klappe zu halten, wenn es um Themen wie Konkurrenzdenken, Selbstverwirklichung und die berufliche Zukunft geht.

Ich glaube, ich sollte mir ein reines Hobby suchen. Eines, das keinerlei messbare Ergebnisse, Erkenntnisse oder Lernerfolge mit sich bringt. Eine Tätigkeit, die so herzerweichend langweilig ist, dass sich gar niemand mit mir vergleichen will. Dann könnte ich mich endlich mal entspannen. Das Problem ist nur: Bei all den beruflichen, halb-beruflichen und eigentlich-nicht-beruflichen (Selbst-)Verpflichtungen werde ich dafür niemals Zeit finden.