IKEA kündigt es schon seit Wochen an und wer früher Lisa, Lasse, Bosse, Britta, Inga und Co. so wie ich um ihre Kindheit in Bullerbü beneidet hat (‘Ein Ring Fleischwurst von der Besten’), der denkt wahrscheinlich auch bei dem Stichwort “Midsommar” an Blumenkränze, Erdbeeren mit Schlagsahne, Krebs-Essen und große Lagerfeuer. Und langsam habe ich das Gefühl, dass wir inzwischen nicht nur skandinavische Designer mit offenen Armen (und in meinem Fall auch weit aufgerissenen Augen gepaart mit der allseits bekannten Schnappatmung) empfangen, sondern auch ganz gerne die ein oder andere Tradition übernehmen. Mich freuts. In jeglicher Hinsicht. Und so machten wir uns am vergangenen Samstag mit Hund und Kegel auf in Richtung Bregenz, Österreich um mit Freunden auf dem Pfänder die Sommersonnenwende zu feiern.

Das Gasthaus Seibl in Lochau bei Bregenz war dabei unser Basislager – sowohl als Ausgangspunkt für die Wanderung als auch für die obligatorische Prä-Wanderung-wir-müssen-uns-dafür-stärken-her-mit-den-Kalorien-Mahlzeit.

Gasthaus Seibl

Das Gasthaus selbst besticht weniger durch raffinierte Küche, sondern vor allem durch die fast unglaubliche Aussicht über Bregenz inklusive Seebühne und den Bodensee – Beweis anbei, jawohl! Und mit einer großen Portion Kässpätzle mit Salat sowie Schnitzel und Pommes zu fairen Preisen um die 10€ waren wir mehr als glücklich. Leider konnte ich Kässpätzle-bedingt den Apfelstrudel aus der Dessert-Karte nicht mehr testen, aber die beiden älteren Damen am Nachbartisch waren offensichtlich sehr angetan. Und Omis sind ja bekanntlich die härteste Jury der Welt, wenn es um die Bewertung von sogenannten Traditions-Backwaren geht.

Ausblick Seibl

Ein weiterer Pluspunkt des Gasthaus Seibl ist eindeutig die wunderbare Ausgangslage für die Wanderung in Richtung Pfänder-Gipfel. Und so entsteht nämlich die Win-Win-Win-Situation: Statt in eine Gondelfahrt investiere ich die 10€ lieber in Kässpätzle (oder alternativ Apfelstrudel) und den Ausblick (Endorphin-Station Nummer 1), wandere dann das letzte Stück (bis zum Gipfel ist es ca. 1 Stunde) hoch und genieße dabei die unglaubliche Aussicht (Endorphin-Station Nummer 2) und trainiere dabei den leichten Snack aus dem Gasthaus Seibl gleich wieder weg (Endorphin-Station Nummer 3). Ich sags doch: Win-Win-Win!

Wanderung

Am vergangenen Samstag haben wir allerdings kurz vor dem Gipfel eine Abzweigung genommen – geleitet von den zarten Klängen der Blaskapelle und Alphörner – Ironie-Modus wieder aus – und plötzlich stehen wir auf der Festwiese am Hang. Und irgendwie ist das so wie im Urlaub: der Wein schmeckt am Meer aus dem Camping-Becher soooo sensationell wie das Radler auf der Bergwiese aus der Plastikflasche.

Wir sitzen dort oben, schauen der untergehenden Sonne zu, beobachten wie das große Bonfire angezündet wird und sind glücklich. Der allseits bekannte “Böhmische Traum” macht meiner Schweden-Romantik zwar einen kleinen Strich durch die Rechnung, aber das nehme ich in kauf. Vor allem als dann gegen kurz nach Zehn ein Riesen-Feuerwerk abgeschossen wird. Midsommar am Pfänder – you got me!

Pfänder 2

Nächstes Jahr wieder. Mit noch mehr Freunden. Größerer Picknickdecke zum draufliegen. Mehr Zeit zum sitzen. Und noch mehr Glücklich-Sein.